Arnstädter Stadtecho und die jüdischen Gene

Veröffentlicht von BGRE am

In der Oktoberausgabe 2010 des “Arnstädter Stadtechos” erschien auf Seite 12 ein Artikel mit der Überschrift “Spuren im Erbgut”, die dazugehörende Subheadline lautete “Amerikanische Studie über jüdische Gene vorgestellt”.
Voraus gegangen war auf der gleichen Seite ein Artikel zur “Wir-Gemeinschaft”, der mit dem Cover von Thilo Sarrazins aktuellem Bestseller warb. Abgesehen von einigen islamophoben Statements hatte der Artikel jedoch nur wenig Bezug zu Sarrazins Buch. Dem Artikel über die jüdischen Gene sollte jedoch offensichtlich ein Bezug zu “Deutschland schafft sich ab” angedichtet werden. Warum sonst sollte der geneigte Leser einer “Freien Stadt- und Heimatzeitung” an dieser Stelle etwas über Populationsgenetik erfahren? Denn aus den “gleichgeschalteten Medien” (Stadtechoton) weiß auch derjenige, der Sarrazins Buch nicht gelesen hat, dass es darin auch um die Basken und die Juden mit ihren speziellen Genen ging. Sicher etwas konstruiert, aber die Macher des Stadtechos denken sich, dass das passt.

Was ist nun dran an der amerikanischen Studie?
Die Quellenangaben im Stadtecho sind (bewusst oder unbewusst) sehr unpräzise und nicht weiterführend.
Die Veröffentlichung der “Bild der Wissenschaft” enthält einen Artikel, in dem zu der amerikanischen Studie einige Informationen mitgeteilt werden. Die eigentlichen Ergebnisse der Studie findet man in englischer Sprache beim American Journal of Human Genetics. Aber so kompliziert brauchen wir es gar nicht, schon beim bloßen Vergleich des Artikels in “Bild der Wissenschaft” mit seinem Pendant im “Stadtecho” merken wir, dass im letzteren viele Passagen einfach weggelassen oder verkürzt wurden und dadurch eine ganz andere Aussage zustande kommt.
Dass sich offensichtlich auch Thilo Sarrazin in seinen Entgleisungen a la “jüdische Gene” auf diese Studie vom New York University Langone Medical Center berief, seine Äußerungen allerdings kurz darauf als Unfug bezeichnete, kümmert beim Stadtecho niemanden. Hier scheint es nur darum zu gehen, in populistischer Weise mit Halbwahrheiten und scheinbar wissenschaftlichen Begründungen antisemitische Ansichten, die aus der Rassenkunde des 19. und 20. Jahrhunderts stammen, als gesellschaftsfähig zu etablieren.

Dass sich inzwischen auch der Autor der Studie, Harry Ostrer, zu dem Sachverhalt geäußert hat, spricht für sich. Er nahm bereits Anfang September, also lange vor Erscheinen des Stadtecho-Artikels, Stellung zu Thilo Sarrazin. Ostrer widerspricht in einem offenem Brief dem Missbrauch seiner Studie und stellt die Fehler bei der Interpretation seiner Ergebnisse dar.

Die Schlüsse, die aus seiner Studie gezogen werden, bezeichnet er als bemerkenswert einfältig.
In Bezug auf das Arnstädter Stadtecho möchten wir dem nichts hinzufügen.

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1 Kommentar

Michael · 10. November 2010 um 13:09

Wir Menschen sind halt unterschiedlich – warum und inwiefern auch immer.

Aber so schlimm ist das doch auch nicht: entweder probiert man es miteinander oder gegeneinander.

Und dass die einen empfindlich reagieren, wenn sie sich von anderen “über`s Ohr gehauen” fühlen, ist verständlich.
Ausweg ist eventuell die “Aufklärung des Sachverhalts”, und darunter
verstehe ich Informieren – und nicht Verkleistern.

Also herzlichen Dank für die Korrektur des Stadtecho-Artikels!
Sollte dort als Gegendarstellung abgedruckt werden!

Bemerkung: “bemerkenswert einfältig” steht bei Herrn Ostrer als
“überraschend einseitig und geht an der Wahrheit vor”.

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